Die ersten drei Workshops im Mai und Juni geben „Einblicke“ in das Leben von Berliner Schüler/innen
Die ersten Sonnenstrahlen dieses Sommers begleiteten Ende Mai die Workshoptage der Werner-Stephan-Oberschule aus Tempelhof. Robeka, Hacer, Aylin, Nina, Vivian, Marjan, Djeboudia und Ula sitzen im Hof der „Schlesischen27“ vor einer großen Weltkarte und folgen Esras Finger, der ihnen ihr Heimatland zeigt: die Türkei. Die 15jährige findet es schön, immer wieder dort sein zu können, weil es dort warm ist. „Heimat ist für mich dort, wo meine Familie und meine Freunde sind“, erklärt ihre 14jährige Mitschülerin Nina, deren Familie wie die von Vivian und Robeka „irgendwie schon immer in Deutschland wohnte“. Vivian hält die Videokamera in den Händen und filmt. Das Objektiv ist auf eine Zeichnung gerichtet, in der die Mädchen Eigenschaften ihrer Mütter zusammentragen. Sie finden ihre Mütter schlau, nett, schön, sportlich, hilfsbereit, mutig, aufmerksam, lustig, modern, höflich, vertrauens- und liebevoll. Manch eine Mama wird aber auch als gestresst, neugierig, nervend und miesmacherisch empfunden. Soll vorkommen, vor allem wenn die Töchter mitten in der Pubertät stecken.
Die Mädchengruppe ist mittendrin im Gespräch über ihre Großmütter, Mütter… über ihre Familien. Hacer, mit türkischen Wurzeln, ist Muslimin wie Marjan. Anders als die 14jährige aus dem Iran, trägt Hacer heute aber kein Kopftuch. Sie ist ein modebewusstes Mädchen, das durchaus in religiösen Traditionen verhaftet ist, aber auch einen eigenen Kopf hat. Was mitunter zu Streitigkeiten mit der Mutter führt. Marjan erzählt von ihrer Heimatstadt Teheran, wo Mädchen und Frauen schon mal verhaftet werden, wenn ihnen das Kopftuch zu hoch rutscht. Die anderen Mädchen interessieren sich nicht so für Politik und Geschichte. Sie freuen sich nach dem arbeitsreichen Vormittag nun auf die Mittagspause, in der sie ihre Mitschülerinnen treffen, die in den anderen Workshopgruppen mit ihren Teamerinnen arbeiten.
Zum zweiten Workshop sind Schülerinnen und Schüler der Paul-Dohrmann-Schule Kreuzberg sowie der Rütli-Schule Neukölln in die Schlesische27 gekommen. Nach der obligatorischen Kameraeinführung und einigen kleinen Übungen zum „Miteinander-Warmwerden“ steht relativ schnell fest, dass die eine Gruppe etwas gemeinsam auf die Beine stellen will. Das Erzählen über ihre Mutter ist einigen unangenehm. Andere mögen gerne vor der Kamera agieren, später aber nur ungern gezeigt werden. Film ist eben wie das wahre Leben: eine einzige Wahl. Und so können sich die Jugendlichen Rollenspiele ausdenken, die einen Bezug zu ihren Lebenssituationen haben sollen. Sara, Mehmet und Muhammed spielen eine Geschichte, in der es um Liebe, Familie und Vertrauen geht. Diana, Ingrid, Nicole, Jacqueline und Aphrodite spitzen das Ganze auf das Thema Schwangerschaft zu und haben trotzdem sichtlich viel Spaß bei den Dreharbeiten.
Die beiden Workshoptage vergehen wie im Flug und die Teilnehmer/innen sind sich danach einig, dass „alle teamfähig waren und zusammen sehr viel gelacht haben“.
Ähnlich verläuft auch der dritte Workshop Anfang Juni mit gemischten Gruppen der Fritz-Karsen- und der Liebig Schule, beide aus Neukölln. Assoziation ist das Schlagwort des ersten Tages. Anhand von Bildern sollen die Mädchen und Jungen Fragen zu sich, ihrer Mutter und ihren Zukunftswünschen beantworten. Nicht ganz einfach. Ebenso wenig wie die Ideenfindung für ein Rollenspiel. Letztlich geht um es Konfliktbewältigung und Gewalt. Hekuran, der neben Isidora die Hauptrolle übernimmt, schreibt eigens einen Rap-Text: „Mit ´nem Messer – bist du nicht besser als wir. Glaub mir, die Leute hier stehen hinter mir. Mensch ist Mensch, ist egal, was für ´ne Sorte. Oh Mann, was ist los? Fehlen dir jetzt die Worte?“ Was vor der Kamera noch Spiel war, wird später am Tag Ernst. Streitigkeiten über eine politische Frage (zum Kosovo), die auf die verschiedenen Sichtweisen ihrer jeweiligen Volksgruppe zurückzuführen sind, können die Jugendlichen schlussendlich selbst beilegen. Sie reden miteinander.
Die Zusammenarbeit der Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen Schulen finden dann alle gut. Auch, dass „wir alles selber machen und neue Erfahrungen sammeln konnten“.
Beim nächsten Workshop am 19. und 20. Juni erwarten uns „Einblicke“ in die Welten der Mädchen von Türkiyemspor Berlin.
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